Initiales diagnostisches Vorgehen bei Patienten mit Thoraxschmerz
- Erfassung der Vitalparameter (Herzfrequenz, Blutdruck und periphere Sauerstoffsättigung)
- Anamnese
- Schmerzqualität (belastungsabhängig, atemabhängig, stechend, brennend)
- Schmerzdauer (Intervallschmerz, Dauerschmerz, Beginn)
- Auftreten des Schmerzes (plötzlich einsetzend oder langsam stärker werdend)
- Vegetative Begleitsymptomatik (Schweißausbruch, Schwindel, Kollaps, Synkope)
- Risikoprofil (Blutdruck, Cholesterin, Diabetes, Nikotin, Antikonzeptiva "die Pille")
- Vorerkrankungen (Koronare Herzerkrankung, Pulmonalembolie, Tumoren)
- Aktuelle Medikation (Aspirin, orale Gerinnungshemmer, Nitrate, Betablocker)
- Status
- EKG!
- Laborbefunde
- Thoraxröntgen
- Weiterführende Maßnahmen
In folgender Tabelle sind die wesentlichen Schmerz-Charakteristika der mit Thoraxschmerz assoziierten Erkrankungen dargestellt. Es ist allerdings mit aller Deutlichkeit darauf hinzuweisen, dass das Fehlen eines bestimmten Schmerzcharakteristikums niemals als Ausschlusskriterium für eine Erkrankung herangezogen werden darf.
| Diagnose | Schmerzqualität | Schmerzdauer | Begleitmerkmale |
| Angina pectoris | Brennend, Drückend | Wenige Minuten Intervallschmerz |
belastungsabhängig |
| Akuter Myokardinfarkt | Brennend, drückend und Ausstrahlung in Arm, Kiefer oder Oberbauch | Mehr als 20 Minuten Dauerschmerz |
Auch in Ruhe |
| Peri-Myokarditis Herzbeutel- od. Herzwandentzündung |
scharf | Episodenhaft, entwickelt sich über Stunden bis Tage | Erleichterung beim nach vorne Beugen |
| Aortendissektion Einblutung in die Innenwand der Hauptschlader |
Zerreißendes Gefühl "Messerstich" | Plötzlich einsetzend | Ausgeprägte Hypertonie Marfan-Syndrom |
| Pulmonalembolie | Stechend und Dyspnoe (Atemnot) | Plötzlich einsetzend | Häufig atemabhängig Nikotinabusus |
| Pneumonie | Lungenentzündung | Variabel | Über Tage zunehmend Fieber |
| Pneumothorax Luft im Spalt zw. Lunge und Brustkorb |
Reibend und Dyspnoe | Plötzlich einsetzend | Schmerzmaximum auf der betroffenen Seite |
| Gallenblasen-Erkrankungen | Drückend Krampfartig |
Dauerschmerz bzw. nahrungs-assoziiert | Epigastrisch |
| Refluxerkrankung | brennend | 10-60 Minuten | Postprandial = nach dem Essen |
Nach der speziell auf den Thoraxschmerz bezogenen Anamnese ist die Durchführung eines EKGs unbedingt erforderlich. Der Nachweis eines Normalbefundes erlaubt den Ausschluß eines ST-Hebungsinfarktes (STEMI). Weitere diagnostische EKG-Kriterien sind:
- Bradykarde Rhythmus-Störungen
- AV-Blockierungen
- Sick-Sinus-Syndrom
- Sinuskonotenstillstand
- Bradykardes Vorhofflimmern
- Tachykarde Rhythmus-Störungen
- Nachweis einer Rechtsbelastung (S1-Q3-Typ, Rotation gegen des Uhrzeigersinn)
- ST-Strecken-Senkungen
Neben dem EKG ist das Thoraxröntgen ein wichtiges früh-diagnostisches Hilfsmittel bei Patienten mit Thoraxschmerz. Mit Hilfe des Throxröntgens können folgende Diagnosen ausgeschlossen bzw. bewiesen werden:
- Pneumonie
- Pleuraerguß
- Pneumothorax
Das Thoraxröntgen liefert keinerlei diagnostische Hilfe bei Patienten mit Pulmonalembolie oder Aortendissektion.
Die weitere diagnostische Aufarbeitung umfaßt die Durchführung von Laboruntersuchungen. Auch hier gilt es jene Parameter zu bestimmen, die zur Diagnose bzw, zum Ausschluß jener Erkrankungen mit der höchsten Frequenz beitragen:
- Troponin-T oder Troponin-I
- CK, CK-MB, eventuell Myoglobin
Das weitere differentialdiagnostische Vorgehen umfaßt die Bestimmung des D - Dimers. Dieser Parameter ist im Rahmen thrombo - embolischer Ereignisse signifikant erhöht. Allerdings gibt es eine Reihe weiterer Ursachen, die zu einer Erhöhung des D-Dimers führen können:
- Entzündliche Prozesse
- Neoplastische Prozesse
- Niereninsuffizienz
- Atherosklerose
In Anbetracht dieser Eigenschaften ist der Parameter D-Dimer ausschließlich zur Ausschlußdiagnose von thrombo-embolischen Ereignissen geeignet. Der Nachweis einer D-Dimer - Erhöhung erlaubt keinerlei Rückschlüsse auf die Ursache der Erhöhung dieses Parameters.
Da in der Differentialdiagnose des Thoraxschmerzes auch gastrointestinale Erkrankungen eine Rolle spielen können, ist die Bestimmung von Leber- sowie Cholestaseparameter indiziert.
