Adipositas

Definition

Adipositas ist durch eine kritische Vermehrung der Fettmasse charakterisiert. Der Körperfettanteil sollte bei Frauen 25% und bei Männern 20% nicht übersteigen. Überschreitungen gehen einher mit einem Body Mass Index von größer 30 kg/m².

diagrammDie Adipositas ist seit 1987 als eigenständige Erkrankung von der WHO definiert und wird durch den Body Mass Index charakterisiert. Der BMI errechnet sich aus dem Körpergewicht und der Körpergröße.

BMI = Kilogramm Körpergewicht : Größe²

Die Tabelle zeigt die Einteilung des Gewichtes in Abhängigkeit vom BMI.

BMI (kg/m2) Kategorie WHO Klassifikation
unter 20 Untergewicht  
20 - 24,9 Normalgewicht  
25 - 29,9 Übergewicht  
30 - 34,9 Adipositas GRAD I
35 - 39,9 Adipositas GRAD II
über 40 Adipositas permagna GRAD III

Übergewicht führt zu eine Erhöhung der Morbidität (Krankheitswahrscheinlichkeit) und Mortalität (Sterblichkeit), weil dadurch andere vaskuläre Risikofaktoren begünstigt werden. Das bedeutet, dass die Gefahr, an Gefäßerkrankungen zu leiden, mit dem Übergewicht steigt!

Es besteht ein unzweifelhafter Zusammenhang zwischen Adipositas einerseits und Hypertonie (erhöhter Blutdruck) und Hyperlipidämie (Erhöhung der Blutfettwerte) andererseits.

Neben dem BMI stellen das sogenannte Waist Hip Ratio (WHR) (darunter verstehen wir das Taillen-Hüft-Verhältnis) und der Taillenumfang weitere diagnostische Hilfsmittel in der Erkennung der Adipositas dar.

Taille-Hüft-Verhältnis charakterisiert die Fettgewebsverteilung und steht im Zusammenhang mit einem erhöhtem Risiko für Gefäßerkrankungen. Ein erhöhtes Risiko findet sich bei einer Taille-Hüft-Verhältnis > 0.85 bei Frauen und > 1.0 bei Männern.

Eine alternative diagnostische Möglichkeit der Adipositas ist der Taillenumfang, der gut mit Morbidität (Krankheitswahrscheinlichkeit) und Mortalität (Sterblichkeit) korreliert.

Relation zwischen Taillenumfang und Risiko für vaskuläre Ereignisse

Risiko durchschnittlich Erhöht Stark erhöht
Männer < 94 cm 94 - 102 cm > 102 cm
Frauen < 80 cm 80 - 88 cm > 88 cm

Therapie der Adipositas

Eine dauerhafte Gewichtsreduktion kann nur durch eine Beeinflussung des Energieverbrauches erzielt werden. Daher ist unabdingbare Voraussetzung sich mit jenen Faktoren auseinander zusetzen, die diesen Energieverbrauch beeinflussen:

  1. Grundumsatz
    Der Grundumsatz ist definiert als der Energieverbrauch nach nächtlichem Fasten im Zustand der völligen körperlichen Ruhe bei angenehmer Umgebungstemperatur. Durch den Grundumsatz wird der Energiebedarf der wichtigsten Körperfunktionen gedeckt. Der Grundumsatz gilt als Risikofaktor für die Entwicklung von Übergewicht.
  2. Körperliche Aktivität
    Der Mangel an körperlicher Aktivität spielt eine ganz wesentliche Rolle an der steigenden Krankheitshäufigkeit der Adipositas in den westlichen Industrieländern. Studien machen deutlich, dass die körperliche Aktivität zur Prävention der Adipositas beiträgt. Eine vermehrte körperliche Aktivität führt zu einer negativen Energie- und Fettbilanz und damit langfristig zu einer anhaltenden Gewichtsreduktion.

Da es sich bei Adipositas um eine chronische Erkrankung handelt, bedarf es einer Langzeit-Therapie. Die Behandlung muss mehrere Schwerpunkte miteinander kombinieren:

  • Ernährungstherapie
  • Verhaltenstherapie
  • Bewegungstherapie
  • Medikamentöse Therapie

Grundsätzlich muss die Therapie folgende Inhalte aufweisen:

  • Ernährungsumstellung
  • Änderung des Essverhaltens
  • Steigerung der körperlichen Aktivität
  • Motivation
  • Medikamente
  • (Operation)

Grundsätzlich bestehen 2 Optionen in der Adipositastherapie:

  • Reduktion der Energieaufnahme
  • Erhöhung des Energieverbrauches

Die Reduktion der Energieaufnahme kann durch folgende Mechanismen erzielt werden:

  • Abnahme des Hungergefühls
  • Steigerung des Sättigungsgefühls
  • Reduktion der Nährstoffabsorption

Die Erhöhung des Energieverbrauches erfolgt durch eine Steigerung des Grundumsatzes.

Sibutramin (REDUCTIL®)
Dieses Medikament führt zu einer Verstärkung und Verlängerung des Sättigungsgefühls (Reduktion der Energiezufuhr) und zu einer Steigerung des Energieverbrauches.

Effektivität:

  1. Der durchschnittliche Gewichtsverlust unter Sibutramintherapie beträgt durchschnittlich 14 kg.
  2. Sibutramin bewirkt eine Erhaltung des reduzierten Gewichtes und verhindert einen Wiederanstieg des Körpergewichtes nach 6 bis 12 Monaten.
  3. Im Kollektiv der Diabetiker bewirkt die zusätzliche Gabe von Sibutramin eine deutlich stärkere Gewichtsreduktion als in vergleichbaren Kontrollgruppen.
  4. Unter einer zusätzlichen medikamentösen Therapie der Adipositas kommt es zu einem Anstieg des HDL-Cholesterins und zu einer signifikanten Reduktion der Triglyzeride. Die Verbesserung der Stoffwechselsituation durch eine medikamentöse Therapie der Adipositas führt zu einer Reduktion des kardiovaskulären Risikos.

Ursachen, Entstehung und Risiken der Adipositas

Die Adipositas wird durch eine Reihe komplexer Vorgänge ausgelöst:

  • genetische Beeinflussung
  • umweltbedingte Einflüsse
  • Biochemische Vorgänge
  • Kulturelle und soziale Komponenten
  • Neurologische Veränderungen

Die Genetik sowie umweltbedingte Einflüsse sind die wichtigsten Faktoren in der Entstehung der Adipositas.
Übergewicht hat in den letzten Jahrzehnten eine drastische Zunahme in den industrialisierten Ländern erfahren. 
Prognosen für das Jahr 2030 sagen eine Zunahme der Personen mit einem BMI von >30 kg/m² von derzeit 15-20% auf 50% voraus.
Die Erkrankung stellt daher nicht nur ein wesentliches medizinisches Problem sondern auch ein wirtschaftliches Problem dar und bedarf daher intensiver Prävention (Vorbeugung ) und Therapie.

Hauptrisiken der Adipositas

Die Adipositas ist mit einer Vielzahl von Erkrankungen verbunden bzw. begünstigt die Entstehung ernsthafter Erkrankungen. Dies betrifft nicht nur Gefäßerkrankungen sondern auch Krebs- und degenerative Erkrankungen:

  • Zerebrovaskuläre Erkrankungen (Schlaganfall)
  • Kardiovaskuläre Erkrankungen (Herzinfarkt)
  • Herzinsuffizienz (Verminderung der Pumpleistung des Herzen)
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (Verschluss der Arterien)
  • Hypertonie (Bluthochdruck)

Die Verbindung von Adipositas und arterieller Hypertonie sind wissenschaftlich belegt. Zusätzlich ist bekannt, dass der Fettverteilungstyp eine wesentliche Rolle für die Entstehung des Bluthochdrucks bei adipösen Patienten spielt.

  • Hyperlipidämie (Erhöhte Blutfettwerte)

Die Adipositas führt zu einer Reduktion des HDL - Cholesterins (=gutes Cholesterin) und damit zu einer Erhöhung des Risikos, an Herz-Kreislauferkrankungen zu erkranken.

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Gicht
  • Steatosis hepatis (Fettleber)
  • Degenerative Gelenkserkrankungen
  • Schlafapnoe - Syndrom

Eine entsprechende Gewichtsreduktion führt zu einer Reihe von positiven Effekten:

  • Reduktion des Blutdruckes
  • Abnahme des Insulinspiegels
  • Zunahme des HDL-Cholesterins (=gutes Cholesterin)
  • Abnahme des LDL-Cholesterins (=schlechtes Cholesterin)
  • Abnahme des Risikos, einen Herzinfarkt zu erleiden (kardiovaskuläres Risiko)
  • Geringere Belastung der großen Gelenke (Verminderung degenerativer Veränderungen)